Zwangsstörungen: Wenn Zwänge unser Leben bestimmen
Rund 2 bis 3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden an einer Zwangsstörung, oft schon seit der Jugend. Hier erfahren Sie, wie Sie Zwangsgedanken und Zwangshandlungen von harmlosen Ritualen unterscheiden und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Wann sind Zwänge mehr als eine Marotte?
Zwangsstörungen erkennen und warum sie oft übersehen werden
- Wann Rituale zum Problem werden
- „Ich muss erst jede Türklinke desinfizieren, bevor ich sie anfasse" oder „Ich kontrolliere zehnmal, ob der Herd aus ist": Solche Verhaltensweisen wiederholt und intensiv auszuleben, kann auf eine Zwangsstörung hindeuten. Harmlose kleine Rituale wie eine feste Reihenfolge beim Kofferpacken sind davon klar abzugrenzen – erst wenn sie überhandnehmen und den Alltag einschränken, werden sie zum Störungsbild. Eine erste Orientierung, ob dieser Verdacht zutrifft, bietet unser kostenloser Selbsttest Zwangsstörung.
- Zwangsgedanken und Zwangshandlungen
- Eine Zwangsstörung äußert sich durch Zwangsgedanken, Zwangshandlungen oder beides. Zwangsgedanken sind wiederkehrende, aufdringliche und ungewollte Gedanken, Impulse oder Bilder, etwa die Angst vor Verunreinigung oder davor, sich selbst oder anderen Schaden zuzufügen. Zwangshandlungen sind wiederholte Verhaltensweisen oder gedankliche Rituale wie Waschen, Kontrollieren, Zählen oder stilles Beten, mit denen Betroffene versuchen, die Anspannung hinter den Zwangsgedanken zu neutralisieren.
- Zwangsstörung oder zwanghafte Persönlichkeit
- Von einer Zwangserkrankung abzugrenzen ist eine zwanghafte Persönlichkeit: Menschen mit einer solchen Persönlichkeitsstruktur sind zwar besonders reinlich, ordnungsliebend und regelkonform, hadern aber weniger mit sich selbst – sie empfinden ihr Verhalten nicht als übertrieben, sondern belasten eher ihr Umfeld damit.
- Warum Zwangsstörungen oft übersehen werden
- Rund 2 bis 3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind betroffen, häufig schon seit der Jugend. Trotzdem wird die Zwangsstörung im klinischen Alltag oft nicht erkannt: Einer Studie zufolge (Wahl et al., 2010) wurde sie bei etwa zwei Dritteln der untersuchten Patienten übersehen und stattdessen einer anderen psychischen Erkrankung zugeordnet, auch weil Betroffene sich aus Scham zurückziehen und ihre Zwangshandlungen verstecken.
Unsere Kliniken für Zwangsstörungen in Deutschland
In diesen Kliniken behandeln wir Zwangsstörungen und verwandte Erkrankungen auf höchstem Niveau:
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Nordrhein-Westfalen
Oberberg Fachklinik Düsseldorf KaarstAm Sandfeld 34Fachklinik, Tagesklinik
41564 Kaarst -
Berlin
Oberberg Fachklinik Fasanenkiez Berlin (für Kinder & Jugendliche)Schaperstraße 36Klinik für Kinder und Jugendliche
10719 Berlin -
Nordrhein-Westfalen
Oberberg Fachklinik Konraderhof (für Kinder & Jugendliche)Zum Konraderhof 5Klinik für Kinder und Jugendliche
50354 Hürth -
Hamburg
Oberberg Fachklinik Marzipanfabrik (für Kinder & Jugendliche)Friesenweg 34Klinik für Kinder und Jugendliche
22763 Hamburg -
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Nordrhein-Westfalen
Oberberg Fachklinik Wasserschlösschen (für Kinder & Jugendliche)Horst 48 (Haus Horst)Klinik für Kinder und Jugendliche
41238 Mönchengladbach -
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Hessen
Oberberg Parkklinik Wiesbaden SchlangenbadRheingauer Straße 47Fachklinik
65388 Schlangenbad -
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Hessen
Oberberg Tagesklinik Frankfurt am MainHedderichstraße 55-57Tagesklinik
60594 Frankfurt am Main -
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Welche Formen von Zwangsstörungen gibt es?
Von Reinigungszwängen bis zum zwanghaften Horten
- Reinigungs- und Waschzwänge
- Im Zentrum steht eine panische Angst vor Schmutz, etwa vor Straßendreck, Viren und Bakterien oder auch vor „abstrakter Verschmutzung" wie dem Kontakt mit einer unsympathischen Person. Betroffene reinigen sich, ihre Kleidung und ihre Wohnung exzessiv, was paradoxerweise die Haut schädigt und dadurch anfälliger für Keime macht – und so den Waschzwang weiter verstärkt.
- Kontrollzwänge
- Wer unter Kontrollzwängen leidet, vertraut weder dem eigenen Erleben noch dem eigenen Wissen und muss deshalb immer wieder überprüfen, ob Tür oder Fenster wirklich verschlossen sind oder der Herd wirklich aus ist. „Je mehr ich sie kontrollierte, desto unsicherer wurde ich; unterdrückte ich aber die Kontrollen, wurde ich noch unsicherer", berichtet Andrea W., 29, Patientin in der Oberberg Fachklinik Schwarzwald.
- Wiederholungs- und Zählzwang
- Eine Tätigkeit muss in einer bestimmten Anzahl wiederholt werden, damit sich Betroffene gut fühlen können, oft ohne nachvollziehbares Muster. „Die Zahl Zwei bestimmt mein Leben – denn wenn ich nur eins von einer Sache nehme, fühle ich mich sofort unwohl", schildert Viktoria K., 26, während eines Patientengesprächs in der Oberberg Fachklinik Schwarzwald.
- Ordnungszwänge
- Selbst aufgestellte, für Außenstehende oft nicht nachvollziehbare Ordnungs- und Symmetriekriterien sollen das Leben unter Kontrolle bringen; Unordnung wird als Chaos und Bedrohung erlebt. „Wenn Konservendosen oder Flaschen nicht mit dem Etikett nach vorne ausgerichtet sind, fühle ich mich unwohl. Alles muss exakt sein", so Thomas P., 55, in einer Gruppentherapie-Sitzung der Oberberg Fachklinik Schwarzwald.
- Langsamkeits- und Genauigkeitszwang
- Rituale werden mit übertriebener Gründlichkeit und stets in derselben Reihenfolge ausgeführt, was viel Zeit in Anspruch nimmt. „Ich putze meine Zähne morgens und abends jeweils 80 Minuten, immer in derselben Reihenfolge", berichtet Christoph G., 28, Oberberg Somnia Fachklinik Köln Hürth. Wird der Ablauf gestört, muss oft von vorne begonnen werden.
- Pathologisches Horten (Sammelzwänge)
- Betroffene können sich nicht von eigenem Hab und Gut trennen, unabhängig vom materiellen Wert, und sammeln oft so viel an, dass der eigene Wohnraum kaum noch nutzbar ist. Der umgangssprachliche Begriff „Messie-Syndrom" ist wissenschaftlich nicht anerkannt und sollte vermieden werden, da er stigmatisierend wirkt und mehrere unterschiedliche Erkrankungen vermischt.
- Zwangsgedanken ohne erkennbare Zwangshandlungen
- Manche Betroffene erleben ausschließlich aufdringliche, oft aggressive oder sexuelle Gedanken, ohne dass sichtbare Zwangshandlungen folgen. „Ich habe panische Angst davor, im Supermarkt oder auf der Straße jemanden zu schubsen oder zu treten, ohne dass ich das merken würde", schildert Patrizia B., 48, im Patientengespräch der Oberberg Parkklinik Wiesbaden Schlangenbad.
Körperdysmorphie, Hautzupfen, Haareausreißen und weitere Zwangsstörungen
Nach DSM-5 (künftig auch ICD-11) zählen zu den Zwangsstörungen und verwandten Störungen (ZWAV) neben der Zwangsstörung selbst auch die körperdysmorphe Störung (wahrgenommene Makel im Erscheinungsbild mit ständigem Überprüfen), Dermatillomanie (pathologisches Hautzupfen) und Trichotillomanie (pathologisches Haareausreißen) sowie das Zwangsgrübeln (endloses Nachdenken über ein meist lebensfernes Thema, ohne je zu einer Lösung zu gelangen).
Therapien
Wie wird eine Zwangsstörung behandelt?
Zur Behandlung von Zwangsstörungen und verwandten Erkrankungen setzen wir unter anderem diese Therapieverfahren ein:
Wie die Oberberg Kliniken Zwangsstörungen behandeln
- Kognitive Verhaltenstherapie: Im Zentrum der Behandlung steht die kognitive Verhaltenstherapie: Patienten werden systematisch und kontrolliert mit den Reizen konfrontiert, die ihre Zwangsstörung auslösen, ohne die anschließenden Zwangshandlungen auszuführen. So erleben sie, dass die befürchteten Folgen ausbleiben und die Anspannung von selbst nachlässt. „Die Intensität der Konfrontationsübungen wird schrittweise und kontrolliert gesteigert. Hierbei spielt die vertrauensvolle Beziehung zwischen Patientinnen und Patienten und ihren Therapeutinnen und Therapeuten eine entscheidende Rolle", so Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wahl-Kordon, Ärztlicher Direktor der Oberberg Fachklinik Schwarzwald.
- Medikamentöse Behandlung: Zur unterstützenden Pharmakotherapie setzen wir Serotonin-Wiederaufnahmehemmer ein (SSRI, etwa Escitalopram, Fluoxetin, Sertralin, Paroxetin oder das trizyklische Antidepressivum Clomipramin). Bei schweren Zwangserkrankungen erzielen wir die besten Ergebnisse mit einer Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie und Psychopharmakotherapie.
- Selbsthilfe zwischen den Therapiesitzungen: Betroffene können lernen, sich schrittweise der eigenen Angst zu stellen und die Ausführung von Zwangsritualen bewusst zu unterlassen – so erfahren sie, dass Anspannung auch ohne das Ritual nachlässt. Bei Zwangsgedanken hilft es manchen, bewusst Distanz aufzubauen: die Gedanken wie von außen zu beobachten, anzunehmen und wieder vorüberziehen zu lassen.
Nächster Schritt
Zwänge bestimmen Ihren Alltag?
Eine Zwangsstörung lässt sich in der Regel gut behandeln. Unser Team berät Sie unverbindlich zu den nächsten Schritten.
Gute Erfolgsaussichten bei Zwangsstörungen
Rund 80 Prozent unserer Patientinnen und Patienten profitieren von der kognitiven Verhaltenstherapie, bei etwa der Hälfte davon lässt sich eine Symptomreduktion von rund 70 Prozent erreichen. Dr. Wahl-Kordon hat die S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Zwangsstörungen mitentwickelt: „Unser Ziel ist es, auf die gesamte Bandbreite modernster Therapieoptionen mithilfe unserer universitären Kooperationspartner zurückzugreifen, so dass unsere Patienten schließlich wieder ein beschwerdefreies Leben führen können."
Was unsere Gäste sagen
Ich litt seit vielen Jahren unter der Vorstellung, ich könnte mich bei jeder Gelegenheit mit HIV infizieren, sodass ich mich nicht mehr traute, Menschen die Hand zu geben, fremdes Besteck anzufassen oder ohne Handschuhe aus dem Haus zu gehen. Allein hätte ich niemals aus dieser Spirale herausgefunden.
28 Jahre, über den Beginn ihrer Zwangsstörungs-Therapie in der Oberberg Fachklinik Berlin Brandenburg
Wie entsteht eine Zwangsstörung?
Gene, Gehirn und mögliche Auslöser
- Sind Zwangsstörungen genetisch bedingt?
- Familien- und Zwillingsforschung zeigt eine deutliche familiäre Häufung von Zwangserkrankungen, was auf erhebliche genetische Ursachen hindeutet. Einen einfachen Erbgang gibt es jedoch nicht: Eine Zwangserkrankung in der Familie bedeutet nicht automatisch, dass sie sich auch bei Nachkommen zeigt, auch wenn eine entsprechende Veranlagung die Wahrscheinlichkeit erhöht.
- Welche Rolle spielt das Gehirn bei einer Zwangsstörung?
- Zahlreiche neurobiologische Studien berichten von strukturellen und funktionellen Auffälligkeiten in bestimmten Gehirnregionen, etwa im orbitofrontalen Kortex, im Striatum und im anterioren Cingulum. Bei Betroffenen sind die Regelkreise zwischen diesen Gehirnregionen gestört: Einmal begonnene Handlungen können dadurch nicht richtig zu Ende gesteuert werden, sodass Gedanken oder Handlungsabläufe immer wieder auf dieselbe Weise wiederholt werden müssen.
- Kindheitserlebnisse und eine umstrittene Infektions-Hypothese bei Zwangsstörungen
- Besonders belastende Lebensereignisse in der Kindheit gelten ebenfalls als Risikofaktor. Manche Experten vertreten zudem die – umstrittene – Ansicht, dass in manchen Fällen bestimmte Infektionserreger oder eine postinfektiöse Autoimmunreaktion an der Entstehung einer Zwangsstörung beteiligt sein können.
- Ein überempfindliches Verhaltens-Immunsystem
- Menschen verfügen über eine Art psychologisches „Verhaltens-Immunsystem", das uns durch Ekel und Vorsicht vor Ansteckung und Krankheit schützen soll, etwa indem wir Abstand zu erkennbar kranken Menschen halten. Dieses System kann jedoch, ähnlich wie die körperliche Immunabwehr, überempfindlich reagieren. „Beim Zwang sind die Ängste oft irrational, sie haben häufig mit der eigentlichen Bedrohung nicht direkt etwas zu tun", erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wahl-Kordon, Ärztlicher Direktor der Oberberg Fachklinik Schwarzwald.
Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Zwangsstörungen
Was können Angehörige von Menschen mit Zwangsstörung tun?
Angehörige leiden häufig mit und werden nicht selten selbst in die zwanghaften Rituale der Betroffenen eingebunden. Sie sollten sich weder kommentarlos unterordnen noch den eigenen Alltag danach ausrichten, sondern den Betroffenen klarmachen, dass professionelle Hilfe nötig ist. Ein gesundes Mittelmaß an Kommunikation hilft dabei, die Zwänge nicht zum Mittelpunkt der Beziehung zu machen. Zusätzliche Informationen und Rat bieten Selbsthilfegruppen und Fachgesellschaften.
Können auch gute Absichten zu einem Zwang werden?
Auch aus einem eigentlich sinnvollen Anliegen kann eine Zwangsstörung entstehen: Wird der Wunsch, sich zum Beispiel nachhaltig oder gesund zu verhalten, immer zwanghafter, kann das ebenso psychisch belasten wie klassische Zwangsgedanken. Schränkt man sich im Alltag so ein, dass Lebensqualität und -freude verloren gehen, oder dreht sich das Denken nur noch um ein einziges Thema, können das Anzeichen einer Zwangserkrankung sein, auch wenn der Auslöser zunächst positiv gemeint war.
Ist eine Zwangsstörung heilbar?
Eine Zwangsstörung lässt sich mit wirksamen Therapien insgesamt gut behandeln, selbst wenn die Symptome schon mehrere Jahre bestehen. Eine vollständige Heilung ist zwar nicht immer möglich, doch die Situation lässt sich für die meisten Betroffenen so weit verbessern, dass die eigenen Zwänge nicht mehr den Alltag beherrschen. Je früher reagiert wird, desto besser stehen die Chancen, einen schweren, langwierigen Verlauf zu verhindern, der häufig auch mit Depressionen einhergeht.
Kontaktaufnahme
Eine Aufnahme in unsere Privatkliniken ist in der Regel zeitnah möglich.
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