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Was sind Anzeichen einer Alkoholsucht?

Weltweit ist der Alkoholkonsum seit den 90er Jahren weit über das Doppelte angestiegen. Mit einem durchschnittlichen Alkoholkonsum von 12,8 Litern puren Alkohols pro Kopf (gemessen 2019) belegen die Deutschen mit ihrem Trinkverhalten Platz vier im weltweiten Vergleich.

Der schmale Grat zwischen Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit

Der Begriff „Alkoholismus“ umfasst zwei unterschiedliche Phänomene: Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit.

Auf Alkoholmissbrauch folgen körperliche, psychische und vor allem psychosoziale Symptome:

  • berufliche und häusliche Verpflichtungen werden vernachlässigt
  • Alkohol wird in Situationen konsumiert, die negative psychische Veränderungen zur Folge haben
  • weiterhin wird konsumiert, obwohl es zu sozialen und interpersonellen Problemen kommt

Eine Abhängigkeit liegt vor, wenn Symptome nicht nur körperlich, sondern auch auf der Verhaltens- und kognitiv-emotionalen Ebene auftreten. Der starke Drang nach Alkohol geht mit körperlichen Entzugserscheinungen sowie einem Kontrollverlust und einer Toleranzentwicklung einher. Hierbei muss zwischen der physischen und psychischen Abhängigkeit differenziert werden: Physisch kommt es bei Alkoholentzug bspw. zu Entzugssymptomen wie Zittern, Brechreiz und Schwitzen. Psychisch wird ein Druck, bis hin zum zwanghaften Impuls empfunden, aufgrund von inneren Spannungen, Konflikten oder Stresszuständen Alkohol zu trinken.

Was passiert nach der Aufnahme von Alkohol im Körper?

Der Großteil des Alkohols (ca. 90%) wird über den Stoffwechsel abgebaut. Die Aufnahme ins Blut, und damit in den Körperkreislauf, erfolgt schnell. Sie beginnt bei Berührung mit der Mundschleimhaut. Der Großteil der Aufnahme findet jedoch im Magen statt, dort treten 20% in die Blutbahn über.

Nach Aufnahme und Abbau des Alkohols bleiben toxische Abbauprodukte im Körper zurück, die u.a. das Immun- und Nervensystem sowie den Magen-Darm-Trakt schädigen. Für Alkoholiker stellt der übermäßige Alkoholkonsum folglich eine hohe Gefährdung der Gesundheit dar und kann zu Krankheiten wie Leberzirrhose, Krebs oder psychischen Störungen führen. Doch wie lässt sich eine Alkoholsucht durch das Auftreten des betroffenen Menschen erkennen?

Beschwerden im Zusammenhang mit Alkohol

Mangelernährung und fortschreitenden Ausfall der Leberfunktionen können Ursachen von Bewusstseinsstörungen, Gedächtnisverlust sowie einer Verminderung der Merkfähigkeit und Auffassungsgabe sein. Grund hierfür sind Ammoniak und weitere im Körper verbleibende toxische Abbauprodukte, die das Gehirn schädigen (Hepatische Enzephalopathie). Auf neurologischer Ebene kommt es bspw. zu Zittern (Tremor), Sprach- (Dysarthrie) und Bewegungsstörungen (Ataxie). Eine weitaus schwerwiegendere Diagnose ist die Alkoholdemenz, die u.a. zu kognitiven Beeinträchtigungen, Persönlichkeitsveränderungen und Affektstörungen führt.

Psychische Komorbiditäten, die mit einer Alkoholabhängigkeit einhergehen, sind zahlreich. Die häufigsten sekundären Folgeerkrankungen sind: Depressionen, Angststörungen, Affektive Störungen, Persönlichkeitsstörungen, Traumata und Suizidgefährdung.

Schädlicher Alkoholkonsum, der unter die Haut geht

Verändert sich die Haut, ist dies meist die indirekte Folge anderer durch die Sucht geschädigter Organe. Auffälligkeiten sind:

Hautveränderungen im Gesicht

  • Vorzeitige Alterung der Gesichtshaut (Elastose)

  • Permanente Rötung der Gesichtshaut (Rubeosis faceie)
  • Sternförmige Erweiterungen von Blutgefäßen (Spider naevi)
  • Gelbverfärbung von Haut und Bindehaut (Ikterus)
  • Pusteln in der Mitte des Gesichts (Seborrhoe, zentrofacial)
  • Aufgedunsenes Gesicht
  • Gerötete Bindehaut

Weitere Hautveränderungen am Körper

  • Atypische Verteilung des Fettgewebes
  • Atypisches Behaarungsmuster, bis hin zum Verlust der Körperbehaarung
  • Oberflächlich sichtbare geschlängelte Venen im Bereich des Bauchnabels (Caput medusae)
  • Vergrößerung der männlichen Brustdrüsen (Gynäkomastie)
  • Trüb-weißliche Verfärbung (Terry-Nägel) oder Eindellung der Nagelplatten (Koilonychie)
  • Flächige Rötung der Handinnenflächen

Wie wird Alkoholismus therapiert?

Grundsätzlich wird zwischen akuten und postakuten Behandlungsmaßnahmen unterschieden. Während körperliche Entgiftung und Entzug zu den Akutmaßnahmen zählen, fallen Entwöhnung und Rehabilitation unter die postakuten Maßnahmen.

  1. Behandlungsmotivation erreichen: Dies kann beispielsweise durch Familienmitglieder erreicht werden, durch Ärzte, Therapeuten oder bereits durch Eigenmotivation der Betroffenen.
  2. Entzug soweit notwendig: Ein Entzug bedeutet, dass der Patient, meist unter ärztlicher und psychologischer Betreuung, vom Alkohol entgiftet wird. Dies geschieht meist stationär und kann bei Risiken medikamentenbegleitet stattfinden.
  3. Entwöhnung und Rehabilitation: Eine Entwöhnung erfolgt nach dem Entzug, im Rahmen einer mehrwöchigen Phase. Dies kann vollstationär, teilstationär oder ambulant erfolgen. Ziel ist es beispielsweise, mithilfe therapeutischer Maßnahmen die Funktions- und Leistungsbereitschaft des Betroffenen wiederherzustellen. Die Rehabilitation beinhaltet die Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben.
  4. Nachsorge: In der Abschlussphase wird je nach Bedarf eine Psychotherapie durchgeführt, Selbsthilfegruppen besucht oder auch Beratung in Suchthilfestellen in Anspruch genommen.

Selbsttest Alkoholabhängigkeit

Nach Bedarf können Sie sich hier selbst hinsichtlich einer Alkoholabhängigkeit testen und informieren:

Selbsttest Alkoholabhängigkeit (AUDIT)

 

Ein Selbsttest ersetzt keine medizinische und psychologische Diagnostik.

Kasper, H. & Burghardt, W. (2020). Ernährungsmedizin und Diätetik: Unter Mitarbeit von Walter Burghardt (13. Aufl.). Elsevier Health Sciences.

Löffler, H. (2018). Hautveränderungen durch Alkohol, Drogen und Rauchen. In M. Hertl (Hrsg.), Braun-Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie (7. Aufl., S.641-643). Springer-Verlag.Margraf, J. & Schneider, S. (2018). Lehrbuch der Verhaltenstherapie Band 2. Berlin: Springer.

Piontek, D. & Gomes de Matos, E. (2018). Alkoholkonsum und Alkoholabhängigkeit in Deutschland: Verbreitung, Folgen und Therapie. Ernährung Umschau. 4/2018, DOI: 10.4455/eu.2018.017

Psychiatrische Komorbiditäten (o.D.). Alter und Sucht. alterundsucht.ch/aerzteschaft/alkohol/psychiatrische-komorbiditaeten.html#:~:text=Zu%20den%20psychiatrischen%20Komorbiditäten%20beim%20problematischen%20Alkoholkonsum%20zählen,zählen%20zu%20den%20Risikogruppen%20für%20eine%20sekundäre%20Alkoholproblematik. (zuletzt abgerufen: 25.06.2021)

Radtke, R. (2021, 15. Juni). Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Alkoholkonsum unter Erwachsenen im Jahr 2019. Statista. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/232485/umfrage/laender-mit-dem-hoechsten-alkoholkonsum-unter-erwachsenen/

Soyka, M., Batra, A., Heinz, A., Moggi, F. & Walter, M. (2019). Suchtmedizin (1. Aufl.). Elsevier Health Sciences.

Stangl, W. (2021). Stichwort: Alkoholabhängigkeit – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
lexikon.stangl.eu/3037/alkoholabhangigkeit (zuletzt abgerufen: 25.06.2021)

Weigl, T. (2018, 21. November). Alkoholabhängigkeit und Alkoholmissbrauch – Ursachen & Folgen. DoktorWeigl. doktorweigl.de/krankheiten/alkoholabhaengigkeit-und-alkoholmissbrauch-ursachen-folgen-5732/ (zuletzt abgerufen: 25.06.2021)

Wetterling, T. (2021). Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit. In O. Bilke-Hentsch, E. Gouzoulis-Mayfrank & M. Klein (Hrsg.), Sucht: Risiken – Formen – Interventionen: Interdisziplinäre Ansätze von der Prävention zur Therapie (1. Aufl., S.112). Kohlhammer Verlag.

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