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  • Essstörungen: Anzeichen, Formen und Behandlung von Magersucht bis Binge-Eating

    Essstörungen sind ernste psychische Erkrankungen mit oft schwerwiegenden körperlichen Folgen, nicht bloß eine Phase oder ein "Beauty-Problem". Rund 5 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, deutlich mehr Frauen als Männer. Bei jedem 3. Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren finden sich laut BZgA bereits Hinweise auf eine Essstörung. Da Anorexie mittlerweile eine eigene Krankheitsbild-Seite hat, konzentriert sich dieser Überblick auf Bulimie, Binge-Eating und weitere Formen.

    Zwei jugendliche und eine frau sind draußen

    Anzeichen

    Woran erkennt man eine Essstörung?

    Was ist typisch, welche Formen gibt es und wann sollte man Hilfe suchen?

    Essen, Gewicht und Kontrolle bestimmen den Alltag
    Gedanken, Gefühle und Tagesablauf drehen sich zunehmend um Nahrung, Kalorien und die eigene Figur. Scham, Rückzug und feste Essrituale sind häufige Warnzeichen.
    Kontrollverlust bei Essanfällen
    Wiederkehrende Episoden, in denen große Mengen Nahrung in kurzer Zeit verschlungen werden, oft begleitet von einem Gefühl, nicht mehr aufhören zu können.
    Kompensatorisches Verhalten
    Erbrechen, Missbrauch von Abführ- oder Entwässerungsmitteln, exzessiver Sport oder strenges Fasten nach dem Essen, um eine befürchtete Gewichtszunahme zu verhindern.
    Sozialer Rückzug
    Gemeinsame Mahlzeiten werden vermieden, Betroffene ziehen sich zunehmend aus dem sozialen Leben zurück und verheimlichen ihr Essverhalten.
    Frau sitzt mit zwei Personen am Esstisch und reicht Brot weiter

    Muss ich alle Symptome zeigen, damit es sich um eine Essstörung handelt?

    Nein. Nur rund 40% der Betroffenen zeigen alle typischen Symptome einer Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa. Der größte Teil der klinischen Praxis sind sogenannte "nicht näher bezeichnete Essstörungen", die nicht alle Kriterien einer spezifischen Form erfüllen, aber ebenso ernstzunehmen sind und dieselben psychischen und körperlichen Folgen haben können.

    Unsere Kliniken für Essstörungen in Deutschland

    In diesen Kliniken behandeln wir Essstörungen auf höchstem Niveau:

    Standorttyp

    Formen

    Welche Arten von Essstörungen gibt es?

    Magersucht (Anorexie)
    Anorexie ist eine extreme Reduktion der Nahrungsaufnahme aus Angst vor Gewichtszunahme, verbunden mit einer verzerrten Wahrnehmung des eigenen Körpers. Betrifft vor allem Mädchen und junge Frauen zwischen 14 und 18 Jahren, aber auch Jungen, Männer und Erwachsene.
    Bulimie (Bulimia nervosa)
    Etwa 600.000 Menschen in Deutschland sind Bulimie betroffen, meist Mädchen und Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, dreimal so häufig wie Anorexie. Essattacken wechseln sich mit Erbrechen, Fasten oder Missbrauch von Abführmitteln ab. Das Gewicht liegt oft im Normalbereich, wodurch die Erkrankung häufig lange unentdeckt bleibt.
    Binge-Eating-Störung
    Regelmäßige Essanfälle mit Kontrollverlust, jedoch ohne kompensatorische Maßnahmen wie Erbrechen. Der Männeranteil liegt bei Binge-Eating rund 25% höher als bei Bulimie oder Anorexie. Häufige Folge ist starkes Übergewicht mit entsprechenden körperlichen Begleiterkrankungen.
    Nicht näher bezeichnete Essstörungen und Mischformen
    Der größte Teil der Betroffenen erfüllt nicht alle Kriterien einer spezifischen Essstörung. Diese Mischformen sind klinisch ebenso bedeutsam wie die "klassischen" Formen.
    Orthorexia nervosa
    Eine umstrittene, noch nicht offiziell anerkannte Form: die zwanghafte Fixierung auf "gesundes" Essen, verbunden mit erheblichem Leidensdruck und sozialer Isolation bei Nichteinhaltung der eigenen Regeln.

    Therapien

    Behandlung von Essstörungen

    Je früher eine Essstörung erkannt wird, desto größer die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung. Betroffene sollten sich jedoch auf eine längere Therapiedauer einstellen.

    Person sitzt auf einem Steg und blickt auf ruhiges Wasser

    Zur Behandlung von Essstörungen setzen wir unter anderem diese Therapieverfahren ein:

    Sollten Essstörungen stationär oder ambulant behandelt werden?

    Bei einer teilstationären Behandlung (Tagesklinik) nutzen Patienten tagsüber die Klinik und kehren abends nach Hause zurück, wodurch das Gelernte direkt im Alltag angewendet werden kann. Eine stationäre Behandlung empfiehlt sich vor allem bei akuten gesundheitlichen Gefahren, schwerer bulimischer Symptomatik (häufiges Erbrechen, starker Abführmittelmissbrauch), körperlichen Komplikationen oder wenn das ambulante Umfeld überfordert ist. Zu den Bausteinen zählen Aufklärung über die Erkrankung, Selbstbeobachtung über Essprotokolle, Gewichtsstabilisierung, Einzel- und Gruppenpsychotherapie sowie kognitive Techniken zur Selbstwertsteigerung.

    Nächster Schritt

    Unsicher, welche Hilfe passt?

    Wir können gemeinsam einordnen, ob zunächst Orientierung, ambulante Unterstützung oder ein intensiveres Behandlungsangebot sinnvoll ist.

    Ursachen von Essstörungen

    Biologische Faktoren
    Familien- und Zwillingsstudien sprechen für eine erbliche Veranlagung. Häufig finden sich zudem Neurotransmitterstörungen oder Fehlfunktionen von Stoffwechsel, Hormonsystem oder Hunger- und Sättigungsgefühl.
    Individuelle Faktoren
    Ein niedriges Selbstwertgefühl, Perfektionismus, Impulsivität, geringe Konfliktfähigkeit und Schwierigkeiten bei der Stressbewältigung erhöhen das Risiko.
    Familiäre Faktoren
    Übertriebene Fürsorge, hoher Leistungsdruck oder impulsive, ungelöste Konflikte innerhalb der Familie können zur Entstehung beitragen.
    Soziokulturelle Faktoren
    Das vorherrschende Schlankheitsideal, Konkurrenzdruck sowie Hänseleien und Mobbing im nahen Umfeld spielen eine Rolle, oft stärker als die reine Medienwirkung.

    Essstörungen bei Kindern: Wann ist es mehr als "wählerisches Essen"?

    Ein wählerisches Essverhalten (Picky Eating) ist bei kleinen Kindern normal. Alarmierend wird es, wenn ganze Nahrungsgruppen über einen langen Zeitraum verweigert werden. Fachleute sprechen dann von ARFID (Avoidant Restrictive Food Disorder), die auch bis ins Erwachsenenalter fortbestehen kann. Eltern sollten frühzeitig mit ihren Kindern über Essen sprechen und im Zweifel fachlichen Rat einholen.

    Fragen und Antworten

    Weitere Informationen zu Essstörungen

    Was ist Drunkorexia?

    Drunkorexia bezeichnet die bewusste Reduktion der Kalorienaufnahme durch Nahrung, um anschließend exzessiv Alkohol zu konsumieren, meist um die Gesamtkalorienzahl "auszugleichen" oder die berauschende Wirkung des Alkohols auf leeren Magen zu verstärken. Das Phänomen tritt überwiegend bei jüngeren Frauen im Universitätsalter auf und birgt ein doppeltes Risiko: die körperlichen Folgen einer Essstörung kombiniert mit denen von übermäßigem Alkoholkonsum.

    Essstörungen bei Erwachsenen

    Dass nur junge Mädchen von Essstörungen betroffen sind, ist eines der hartnäckigsten Vorurteile zum Thema. Essstörungen bei Erwachsenen sind häufiger, als viele annehmen, und lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Betroffene, bei denen die Erkrankung bereits im Jugendalter begann und bis heute fortbesteht oder immer wieder aufflammt, und Betroffene, bei denen sich die Störung erst im Erwachsenenalter entwickelt, etwa ausgelöst durch Lebensumbrüche wie eine Schwangerschaft, berufliche Belastung oder die Wechseljahre. Da das Thema stark mit Jugendlichen assoziiert wird, bleiben Essstörungen bei Erwachsenen häufig länger unerkannt, was Diagnose und Behandlung zusätzlich erschwert.

    Was kann ich tun, wenn ein Familienmitglied von einer Essstörung betroffen ist?

    Wichtig ist, zwischen den verschiedenen Formen der Erkrankung zu differenzieren, Veränderungen aufmerksam zu beobachten und sich über das Thema zu informieren. Vermeiden Sie dabei, Druck auf die betroffene Person aufzubauen, das verschlimmert die Situation meist. Stattdessen sollte das Selbstwertgefühl gestärkt werden. Essstörungen sind ernsthafte Erkrankungen, die professionelle Hilfe erfordern, frühzeitiges Erkennen und Handeln verbessern die Prognose deutlich.

    Mitarbeiterin begrüßt einen Mann am Empfang

    Kontaktaufnahme

    Eine Aufnahme in unsere Privatkliniken ist in der Regel zeitnah möglich.

    Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung telefonisch, oder schreiben Sie uns per Kontaktformular.