Zum Inhalt springen
  • 030 - 26478607
  • Kontakt
  • Einfach nur motivationslos oder doch depressiv? Wie man eine Depression rechtzeitig erkennen kann

    19.04.2017

    Müdigkeit, Angstzustände, Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit, keine Motivation: eine Depression hat viele Gesichter. Oft wissen Betroffene nicht, dass sie unter einer depressiven Erkrankung leiden und professionelle Hilfe brauchen. Die Anzeichen einer Depression sind schwer zu erkennen. Wir listen die ausschlaggebenden Faktoren auf.

    Warum Betroffene von Depression so spät Hilfe bekommen

    Die meisten Symptome einer depressiven Erkrankung bringen Betroffene nicht automatisch mit einer Depression in Verbindung. Sie suchen keinen Arzt auf und nehmen keine Hilfe in Anspruch. Viele halten die Symptome für persönliche Schwäche und eigenes Versagen oder einfach ein Motivationsloch oder vorübergehende Anzeichen von Stress. Sie schämen sich und vertrauen sich weder einem Arzt noch einer nahestehenden Person an, sondern versuchen, ihre Krankheit zu verstecken. Dazu kommen typische Anzeichen wie Hoffnungslosigkeit und Antriebslosigkeit, die den Weg zur Therapie erschweren.

    Das kann dazu führen, dass die Krankheit im Verborgenen und ohne die notwendige Therapie bleibt. Dabei bestehen bei einer frühzeitigen Therapie gute Heilungschancen und die Depression lässt sich schneller überwinden. Wir möchten ein stärkeres Bewusstsein für das Thema Depression in der Öffentlichkeit schaffen. Denn für die Heilung ist das rechtzeitige Erkennen der Depression elementar. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel "Frühwarnzeichen Depression – gute Heilungschancen bei frühzeitiger Behandlung".

    Psychische Anzeichen einer Depression

    Die Symptome der Depression sind klar definiert und im international anerkannten Klassifizierungssystem ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation festgehalten. Dazu zählen unter anderem Dinge wie

    • Schlafstörungen, verstärkte Müdigkeit am Tag
    • ständiges Grübeln ohne Ergebnis
    • Schuldgefühle
    • Pessimismus, negative Gedanken
    • innere Unruhe, keine Möglichkeit zur Entspannung
    • starke Verzweiflung bei kleineren Konflikten oder Problemen
    • Konzentrationsschwierigkeiten
    • Gefühl der Wertlosigkeit
    • Problem, Entscheidungen zu treffen
    • geringes sexuelles Interesse
    • Motivationslosigkeit, mangelnde Energie, Antriebslosigkeit
    • keine Freude am Leben
    • diffuse Ängste, etwa vor der Zukunft oder davor, Anforderungen nicht gerecht zu werden
    • ein Stimmungstief am Morgen, das sich zum Abend hin bessert
    • ein langsameres Arbeitstempo und häufigere Fehlzeiten im Job

    Depression und Konzentration: Wenn das Denken schwerfällt

    Eine Depression beeinträchtigt nicht nur die Gefühle, sondern auch Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis. Lernen und Merken fallen schwerer, das Denken wird langsamer, und mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen gelingt kaum noch. Häufig werden Aufgaben aufgeschoben. Selbst einfache Routinetätigkeiten wie Lesen oder Nachrichtenhören können schwerfallen oder ganz unmöglich werden. Viele Betroffene erleben geistige Tätigkeiten als übermäßig anstrengend.

    Physische Anzeichen der Depression

    • Schwindelgefühl
    • Verspannung in Nacken und Schultern
    • Gewichtsverlust oder -zunahme
    • chronische Kopf- oder Rückenschmerzen
    • Sehstörungen, Flimmern
    • Herz-Kreislauf-Schwäche, Atemnot
    • Verdauungsbeschwerden
    • körperliche Ermüdung
    • „Kloß im Hals“
    • weiche Knie
    • hoher Adrenalinspiegel

    Larvierte Depression: Wenn körperliche Beschwerden die Depression verdecken

    Manchmal stehen die körperlichen Beschwerden so stark im Vordergrund, dass die seelischen Symptome kaum auffallen. Fachleute sprechen dann von einer larvierten oder maskierten Depression. Auch das ist ein Grund, warum eine Depression oft spät erkannt wird. Finden Ärzte für anhaltende Beschwerden keine organische Ursache, kann eine somatisierte Depression dahinterstecken.

    Anzeichen einer Depression bei Männern

    Männern fällt es oft besonders schwer, sich eine Depression einzugestehen oder Hilfe zu suchen. Die Erkrankung zeigt sich bei ihnen deshalb häufig anders als das typische Bild. Der Psychologe William Pollack hat dafür Kriterien der sogenannten Männerdepression beschrieben:

    • Rückzug aus sozialen Kontakten, der oft verleugnet wird
    • Klagen über Stress und Überengagement im Job
    • Traurigkeit und Kummer, die erlebt, aber abgestritten werden
    • der Wunsch, „in Ruhe gelassen zu werden“, und verstärkte Forderungen nach Autonomie
    • Ablehnen von Hilfe und der Wunsch, alles allein schaffen zu wollen
    • starke Selbstkritik und Angst zu versagen
    • offene oder verborgene Feindseligkeit
    • Unruhe und gesteigerte, unproduktive Aktivität
    • steigender Konsum von Alkohol, Nikotin, Fernsehen, Spielen oder Sport bis zum Exzess

    Welche Rolle spielt die Zeit bei Depression?

    Das Auftreten bestimmter Symptome muss nicht gleich bedeuten, dass jemand an einer Depression erkrankt ist. Wichtig ist der Beobachtungszeitraum von ungefähr zwei Wochen: Treten plötzlich Symptome auf, die früher nicht da waren? Erst wenn Symptome über längere Zeit nicht mehr verschwinden, ist es bedenklich, und der Betroffene sollte sich schnellstmöglich Rat einholen – auch und gerade, wenn er sich motivationslos fühlt.

    Der nächste Weg sollte zu einem Hausarzt oder Psychiater führen; auch bei uns erhalten Sie eine Beratung. Zögern Sie nicht, rufen Sie uns einfach an oder informieren Sie sich gerne hier über das Therapie-Angebot der Oberberg Kliniken bei einer Depression.

    Schlechte Phase oder Depression? Darauf kommt es an

    Entscheidend ist nicht nur, wie lange die Beschwerden anhalten. Bei einer Depression ist die gedrückte Stimmung für den Betroffenen ungewöhnlich stark, hält fast den ganzen Tag an, tritt nahezu täglich auf und lässt sich durch äußere Umstände kaum beeinflussen. Auch die Müdigkeit unterscheidet sich von normaler Erschöpfung: Sie setzt schon nach geringer Anstrengung ein und erschwert alltägliche Tätigkeiten. Viele Betroffene können sich weder über schöne Ereignisse freuen noch über negative wirklich traurig sein und beschreiben ein Gefühl der Gefühllosigkeit.

    Motivationslos – was tun?

    Wenn Ihre Symptome noch nicht allzu lange anhalten oder Sie in Ihrem Alltag nicht sehr einschränken, können Sie einige Tipps befolgen, die Ihnen möglicherweise helfen, wenn Sie sich motivationslos fühlen.

    Auch wenn es bei Motivationslosigkeit schwer fällt: Treffen Sie sich mit Freunden oder lieben Familienangehörigen. Ein gutes Gespräch, das sich nicht einmal unbedingt um Ihre Movitationslosigkeit drehen muss, kann kleine Wunder bewirken. Sie merken, dass Sie nicht allein sind, und bekommen neue Denkanstöße. Eventuell möchten Sie Ihren Gesprächspartner vorab darauf hinweisen, dass es Ihnen zurzeit nicht so gut geht. Dann fühlen Sie sich nicht dem Druck ausgesetzt, ein amüsanter und fröhlicher Gesprächspartner sein zu müssen.

    Wenn Sie sich motivationslos fühlen, fällt Ihnen möglicherweise schon das Anziehen schwer. Gehen Sie trotzdem so oft wie möglich nach draußen und bewegen Sie sich an der frischen Luft. Das Tageslicht kurbelt die Produktion des Gute-Laune-Hormons Serotonin an, und Bewegung bringt den gesamten Kreislauf in Schwung. Wenn Sie sich allein zu motivationslos für einen Spaziergang oder eine kleine Runde auf dem Fahrrad fühlen – verabreden Sie sich doch mit jemandem.

    Versuchen Sie, den Blick auf die Sinnhaftigkeit Ihres Lebens zu lenken. Dabei müssen Sie nicht die große Frage nach dem allgemeinen Sinn des Lebens beantworten können. Sinnstiftend kann es zum Beispiel sein, wenn Ihnen ein zufriedener Kunde zulächelt. Wenn Sie erfolgreich ein Projekt oder bestimmte Akten bearbeitet haben: Halten Sie einen Moment inne und klopfen Sie sich innerlich selbst auf die Schulter.

    Quellen

    • Dietrich, D. E. (2019). Frühsymptome und Risikofaktoren depressiver Störungen: So gelingt die frühe Diagnose. ARS MEDICI, 5, 159–162.

    • Keck, M. E. (2017). Depression: Wie entsteht sie? Wie wird sie behandelt? Was ist der Zusammenhang mit Stress? Glattbrugg: Lundbeck (Schweiz) AG.

    • Löffler, C., Wagner, B. & Wolfersdorf, M. (2012). Männer weinen nicht: Depression bei Männern. Goldmann Verlag.

    Kontaktaufnahme

    Sie können sich jederzeit an uns wenden – vertrauensvoll und diskret

    Sie möchten mehr Informationen zu unserem Behandlungsangebot, zur Ausstattung in den Kliniken oder zum Tagesablauf in einer unserer Kliniken? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie mit uns persönlichen Kontakt unter der Telefonnummer 030 - 2647 8607 aufnehmen. Wenn Sie einen Rückruf für ein persönliches Gespräch vereinbaren möchten, füllen Sie bitte das Kontaktformular aus. Wir werden uns dann schnellstmöglich bei Ihnen melden.

    Standorte, Therapieangebot und Behandlungsfelder

    Oberberg Kliniken

    Die Oberberg Kliniken sind deutschlandweit vertreten. Wir therapieren alle Arten psychischer Krankheitsbilder nach den neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis, stets individuell auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten.

    Oberberg Therapieangebot

    Das Oberberg Therapieangebot umfasst eine große Bandbreite an medizinischen und psychotherapeutischen Leistungen für das gesamte Spektrum psychischer und psychosomatischer Erkrankungen.

    Oberberg Behandlungsfelder

    In den Oberberg Kliniken unterstützen wir Menschen mit einer großen Bandbreite an psychischen Erkrankungen – von ADHS bis hin zu Zwangsstörungen. Erfahren Sie mehr über Symptome und Diagnosen und entdecken Sie, welcher unserer Standorte auf Ihr Behandlungsbild spezialisiert ist.

    Aktuelle Artikel aus dem Oberberg Blog