Mögliche Anzeichen für Depressionen bei Schülern
Stimmungsschwankungen, Traurigkeit und Niedergeschlagenheit sind Zustände die bei jedem Menschen, unabhängig vom Lebensalter, auftreten. Diese Gefühle und Phasen sind nicht mit einer depressiven Erkrankung gleichzusetzen. Ob eine Depression vorliegt, kann durch Ärzte und Psychologen festgestellt werden.
Wenn Sie bei Ihrem Kind oder einem anderen jungen Menschen in Ihrem Umfeld eine Depression vermuten, achten Sie auf diese Anzeichen, die in jedem Alter auftreten können:
- Verlust von Freude
- Interessenlosigkeit
- Entscheidungsunfähigkeit
- Gefühle von Gleichgültigkeit
- Besondere Traurigkeit
- Negative Gedanken bestimmen das Leben
- Rückzug von Freunden und Familie
- Gedanken, nicht mehr Leben zu wollen
- Geringe Belastbarkeit
- Das Gefühl, ungeliebt oder abgelehnt zu sein
Nicht alle Symptome müssen zwingend vorliegen. Die Symptomatik einer Depression muss mindestens zwei Wochen bestehen, um in der Diagnostik berücksichtigt werden zu können. Bei Betroffenen können die depressiven Beschwerden über mehrere Monate hinweg bestehen.
Wenn Sie den Verdacht haben, dass eine Depression vorliegt, können Sie das Kind oder den Jugendlichen vorsichtig darauf ansprechen und gegebenenfalls unterstützen, indem Sie beispielsweise einen Termin bei einem Arzt oder Psychotherapeuten vereinbaren. Sollten Sie bei sich eine Depression vermuten, können Sie zusätzlich zu der Terminvereinbarung auch einen kostenlosen Selbsttest machen, der Hinweise geben kann (aber keine persönliche Abklärung ersetzt): Selbsttest Depression - bin ich depressiv?
Anzeichen einer Depression je nach Alter
Wie sich eine Depression zeigt, hängt stark vom Alter des Kindes ab. Typische Anzeichen sind:
Kleinkind- und Vorschulalter
- Freudlosigkeit und Erschöpfung
- Gereizte Stimmung und trauriger Gesichtsausdruck
- Aggression, Schuldgefühle und Gefühle der Wertlosigkeit, die sich teils auch im Spiel zeigen
- Entwicklungsauffälligkeiten
- Probleme beim Essen
- Schlafstörungen wie Albträume oder Ein- und Durchschlafprobleme
Kindesalter
- Schuldgefühle
- Probleme in der Schule und Konzentrationsschwierigkeiten
- Körperliche Anspannung und Unruhe
- Trotz und aggressives Verhalten
- Erzählungen über Traurigkeit oder Gedanken, nicht mehr leben zu wollen
- Körperliche Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen
- Ess- und Schlafstörungen
Jugendalter
- Traurigkeit und Antriebslosigkeit
- Interessenverlust, Leistungsabfall in der Schule und Selbstunsicherheit
- Sozialer Rückzug, Schulverweigerung, Wut und Angst
- Starke Stimmungsschwankungen oder eine unpassend albern wirkende Stimmung
- Selbstverletzendes Verhalten und Suizidgedanken
- Psychosomatische Beschwerden wie Morgentief, Erschöpfung, Schwindel, Ess- oder Schlafstörungen
Besonderheiten von Depressionen bei Jungen und Mädchen
Schülerinnen und Schüler mit einer Depression zeigen ähnliche Symptome wie erkrankte Erwachsene. Bei Kindern tritt häufiger eine gereizte Stimmung bei einer Depression auf, sowie Stimmungsschwankungen. Jugendliche haben häufig bei depressiver Erkrankung körperliche Symptome wie Schmerzen. Mädchen zeigen bei einer Depression häufiger Schuldgefühle, haben den Eindruck zu versagen und ein niedriges Selbstwertgefühl. Schülerinnen mit einer Depression haben außerdem öfter Appetitlosigkeit und sind mit ihrem Körper unzufrieden. Jungen, die an einer Depression erkrankt sind, sind oft besonders reizbar und fühlen sich schnell von anderen angegriffen. So kommt es häufig zu einer aggressiven Stimmung und Streitereien. Depressive Verstimmungen neigen Schüler eher herunterzuspielen.
Häufigkeit von Depression bei Schülern
Mindestens 3 Prozent aller Jugendlichen (12-17 Jahre) erkranken an einer Depression: dies entspricht etwa einem Kind pro Schulklasse.
Ursachen von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen
- Genetische Veranlagung: Ein erblich bedingtes Risiko kann für depressive Erkrankungen bestehen. Häufig sind Depressionen bei Familienmitgliedern der Schülerinnen oder Schülern bekannt.
- Lebensumstände: Wenn Schülerinnen und Schüler belastende Lebensereignisse erleben, wie den Tod eines geliebten Menschen, Vernachlässigung, Missbrauch oder eine Trennung, können Depressionen begünstigt werden.
- Veränderte Botenstoffe, Hormone und Gehirnstoffwechsel
- Andere Erkrankungen, wie eine Angststörung oder auch eine körperliche Erkrankung, können eine zusätzliche Entwicklung einer Depression bei Schülern und Schülerinnen begünstigen.
- Unterforderung, Überforderung und anhaltender Stress kann bei Kindern und Jugendlichen die Entstehung einer depressiven Erkrankung beeinflussen.
- Einsamkeit
Therapie von Depressionen bei Schülern
Durch eine oft von körperlichen Beschwerden bei Schülerinnen, oder Aggressivität/Gereiztheit geprägte Symptomatik bei Schülern, wird eine Depression häufig nicht erkannt. Unprofessionelles Herumprobieren, Nichternstnehmen oder keine Therapie zu ermöglichen kann die Situation des Kindes/Jugendlichen verschlimmern.
Eine frühzeitige Behandlung von depressiven Erkrankungen hingegen steigert die Heilungschancen und kann die Dauer einer depressiven Episode verkürzen. Wird eine Depression bereits zu Anfang der Erkrankung erkannt, ist sie in der Regel gut behandelbar. Die Behandlung einer Depression bei Kindern und Jugendlichen kann mit folgenden Therapiebausteinen erfolgen:
- Psychotherapie (z. B. kognitive Verhaltenstherapie)
- Medikamentöse Therapie (i. d. R. Antidepressiva)
- Unterstützende Maßnahmen (z. B. Erziehungsberatung)
Welche Kombination der Therapiebausteine sinnvoll ist, welches Therapieverfahren und welche unterstützenden Maßnahmen, hängt vom Einzelfall ab und wird in einem Behandlungsgespräch mit Eltern (je nach Alter), Behandler (Psychotherapeut oder Mediziner) sowie dem/der betroffenen Heranwachsenden besprochen.
In der Regel wird eine Depression bei Kindern und Jugendlichen zunächst ambulant behandelt. So können sie in ihrem gewohnten sozialen Umfeld bleiben. Eine stationäre Behandlung kommt infrage, wenn:
- starke Probleme mit Gleichaltrigen bestehen
- die familiäre Situation schwierig ist
- Schulschwierigkeiten auftreten
- suizidale Tendenzen bestehen
- eine ambulante Psychotherapie keinen Erfolg bringt
Medikamente werden zusätzlich zur Psychotherapie vor allem dann eingesetzt, wenn die Psychotherapie allein kaum wirkt, die Wartezeit auf einen Therapieplatz lang ist, weitere psychische Störungen hinzukommen oder eine schwere Depression vorliegt.
Tipps für Eltern von Kindern mit Depression
- Bei Verdacht auf Depression professionelle Hilfe zur Abklärung suchen
- Vertrauensverhältnis zum Kind schaffen, das zulässt, dass unangenehme Emotionen da sein und gezeigt werden dürfen, sowie negative Gedanken oder selbstschädigende Impulse anvertraut werden können
- Dem Kind Anlaufstellen für Unterstützung aufzeigen, falls es sich jemand anderem anvertrauen möchte
Prophylaxe von Depressionen bei Schülern
- Schule, die weder unter- noch überfordert
- Gesunde Ernährung
- Täglich Zeit im Tageslicht draußen
- Aktivitäten ausüben
- Soziale Kontakte
- Screen-Time in Maßen
- Positive Gedanken fördern
- Angemessenen Umgang mit Lob und Kritik erlernen
- Aufbau günstiger Stressbewältigungsstrategien
- Fähigkeiten fördern, die den Umgang mit belastenden Gefühlen erleichtern
- Als Eltern ein positives Beispiel für den Umgang mit Emotionen sein
- Übertragung der elterlichen Stimmung und Stresses auf das Kind vermeiden
Quellen
Mudra, S. & Schulte-Markwort, M. (2020). Depressive Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. PSYCH up2date, 14, 131–145.
Naab, S., Hauer, M. & Hautzinger, M. (2015). Depressive Störungen bei Jugendlichen: Diagnostik und Therapie. Fortschritte der Neurologie Psychiatrie, 83, 49–62.