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  • Wenn Essen, Angst oder Medien den Alltag bestimmen: Wann Jugendliche Hilfe brauchen

    29.07.2026

    Oberberg-Chefarzt nennt Warnzeichen und rät zu früher professioneller Abklärung

    Wenn Kinder und Jugendliche sich zurückziehen, Essen zum Dauerthema wird, der Medienkonsum außer Kontrolle gerät oder Ängste und Niedergeschlagenheit den Alltag bestimmen, stehen viele Eltern vor der Frage: Ist das noch eine Phase – oder braucht mein Kind professionelle Hilfe?

    Das aktuelle Psychiatrie-Barometer 2025/2026 des Deutschen Krankenhausinstituts zeigt, wie stark sich die psychische Belastung junger Menschen seit der Corona-Pandemie verändert hat: 55 Prozent der befragten Einrichtungen mit Kinder- und Jugendpsychiatrie berichten von deutlich mehr Essstörungen. Auch Internet- und Medienabhängigkeit (44 Prozent), suizidale Krisen und Angststörungen (jeweils 42 Prozent) sowie Depressionen (39 Prozent) werden deutlich häufiger beobachtet. Gleichzeitig sind die Wartezeiten vielerorts lang: Bei mehr als der Hälfte der befragten Einrichtungen liegt die Wartezeit auf teilstationäre Behandlung bei mehr als zehn Wochen, bei vollstationärer Behandlung trifft dies auf 43 Prozent der Einrichtungen zu.

    Aus Sicht von Dr. med. Roland Burghardt, Chefarzt der Oberberg Fachklinik Fasanenkiez Berlin, bestätigt das Barometer eine Entwicklung, die in der klinischen Praxis seit längerem sichtbar ist: „Wir sehen Kinder und Jugendliche heute häufiger in einem Stadium, in dem sich Belastungen bereits verfestigt haben. Aus einer Angst wird Schulvermeidung, aus Rückzug eine Depression, aus kontrolliertem Essen eine ernsthafte Essstörung. Deshalb ist frühes Hinschauen keine Überreaktion, sondern oft der entscheidende Schritt, um eine Krise zu stoppen.“

    Wann Eltern aufmerksam werden sollten

    Nicht jede Krise ist automatisch eine Erkrankung. Entscheidend ist, ob sich Verhalten, Stimmung oder körperliche Gesundheit über einen längeren Zeitraum deutlich verändern und der Alltag zunehmend beeinträchtigt wird. Warnzeichen können etwa ein starker sozialer Rückzug, anhaltende Niedergeschlagenheit, massive Ängste, Panikattacken, Selbstverletzungen, Äußerungen von Hoffnungslosigkeit, deutliche Gewichtsveränderungen, auffälliges Essverhalten, Schulvermeidung oder ein Kontrollverlust beim Medienkonsum sein.

    „Eltern sollten nicht warten, bis Symptome sich verfestigen oder Schule, Familie und Freundschaften kaum noch funktionieren“, sagt Dr. Burghardt. „Gerade bei Essstörungen, schweren Angst- und depressiven Erkrankungen oder suizidalen Krisen kann frühe Behandlung wesentlich dazu beitragen, Kinder und Jugendliche zu stabilisieren und Familien zu entlasten.“

    Spezialisierte Behandlung für Kinder und Jugendliche

    Während das Psychiatrie-Barometer lange Wartezeiten und zunehmenden Versorgungsdruck beschreibt, können in den Kinder- und Jugendkliniken der Oberberg Gruppe je nach Standort, Indikation und individueller Aufnahmesituation aktuell auch kurzfristige Behandlungsoptionen geprüft werden.

    Die Oberberg Gruppe behandelt Kinder und Jugendliche mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen an spezialisierten Standorten. Dazu zählen unter anderem Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Traumafolgestörungen, ADHS, Schulabsentismus sowie problematischer Medienkonsum und Internetabhängigkeit. Die Behandlung erfolgt multiprofessionell und individuell abgestimmt – unter Einbindung von Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Fachtherapien, Pflege, Pädagogik sowie dem familiären Umfeld.

    „Schnelle Hilfe bedeutet nicht nur, einen Behandlungsplatz zu finden“, betont Dr. Burghardt. „Entscheidend ist, dass Kinder und Jugendliche ein therapeutisches Angebot erhalten, das zu ihrer Erkrankung, ihrem Entwicklungsstand und ihrer familiären Situation passt. Dafür braucht es spezialisierte Teams und eine enge Zusammenarbeit mit den Bezugspersonen.“

    Fünf Fragen, die Eltern sich stellen können
    Eltern müssen psychische Belastungen nicht allein einschätzen. Die folgenden Fragen können helfen, Warnzeichen besser einzuordnen:

    1. Seit wann besteht die Veränderung?
      Hält sie über mehrere Wochen an oder verschärft sie sich?

    2. Wie stark ist der Alltag beeinträchtigt?
      Fallen Schule, Freundschaften, Hobbys oder Familienleben zunehmend schwer?

    3. Gibt es körperliche Veränderungen?
      Etwa deutlicher Gewichtsverlust, Erschöpfung, Schlafprobleme oder häufige psychosomatische Beschwerden.

    4. Verliert das Kind die Kontrolle?
      Zum Beispiel beim Essen, beim Medienkonsum, bei Ängsten oder im Umgang mit Stress.

    5. Gibt es Hinweise auf Selbstverletzung oder Suizidgedanken?
      Dann sollte sofort professionelle Hilfe gesucht werden.

    Aus Sicht von Dr. Burghardt gilt: „Wenn Eltern mehrere dieser Fragen mit Ja beantworten oder das Gefühl haben, ihr Kind nicht mehr gut zu erreichen, sollten sie sich frühzeitig professionelle Unterstützung holen – zunächst etwa über Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte, niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiater, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder spezialisierte Kliniken. Entscheidend ist, nicht zu lange abzuwarten. Je früher eine passende Behandlung beginnt, desto besser lassen sich Krisen stabilisieren und Folgebelastungen für Kind und Familie begrenzen.“

    Bei akuten Krisen, Suizidgedanken, Selbstverletzungen oder Hinweisen auf Eigen- oder Fremdgefährdung ist eine sofortige medizinische Notfallabklärung erforderlich.

    Quellen und weitere Informationen
    Deutsches Krankenhausinstitut: Psychiatrie-Barometer 2025/2026
    Deutsche Krankenhausgesellschaft: Pressemitteilung zum Psychiatrie-Barometer vom 27. Juli 2026

    Über die Oberberg Gruppe
    Die Oberberg Gruppe mit Hauptsitz in Berlin ist eine vor mehr als 30 Jahren gegründete Klinikgruppe mit einer Vielzahl an Fach- und Tageskliniken im Bereich Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an verschiedenen Standorten in Deutschland. In den Kliniken der Oberberg Gruppe werden Erwachsene, Jugendliche und Kinder in individuellen, intensiven und innovativen Therapiesettings behandelt. Darüber hinaus existiert ein deutschlandweites Netzwerk aus Oberberg City Centers, korrespondierenden Therapeutinnen und Therapeuten sowie Selbsthilfegruppen.

    Pressekontakt:

    Isabelle von Roth
    von roth kommunikation
    Tel.: +49 177 466 5090
    E-Mail: mail@ivonroth.de