Burnout vorbeugen: Ressourcen und konkrete Maßnahmen
12.08.2022
Das Leben in einer Leistungsgesellschaft, andauernde Doppelbelastungen durch familiäre und berufliche Verpflichtungen sowie Persönlichkeitsfaktoren können zu einem Burnout-Syndrom führen. Um langfristig gesund und belastungsfähig zu bleiben, hilft es, beruflich und/oder privat umsetzbare Informationen zur Burnout-Prävention zu kennen.
Die drei Dimensionen eines Burnouts
Ein Burnout lässt sich anhand von drei zentralen Dimensionen beschreiben:
Emotionale Erschöpfung: Gefühle von Energielosigkeit und Erschöpfung, die auch durch normale Erholungsphasen nicht mehr verschwinden.
Depersonalisation: Eine wachsende Gleichgültigkeit oder Zynismus gegenüber der eigenen Arbeit.
Negative Leistungszufriedenheit: Das Gefühl, den eigenen beruflichen Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden, verbunden mit sinkender Leistungsfähigkeit.
Symptome eines Burnouts, die auftreten können, sind Niedergeschlagenheit, Gefühle der Hilfslosigkeit, Verlust von Begeisterungsfähigkeit, Reizbarkeit und Zynismus. Des Weiteren kann es auch zu einem allgemeinen Desinteresse kommen, einer Desillusionierung, Entfremdung, Unzufriedenheit gegenüber der Arbeit, einem Gefühl von mangelnder Anerkennung und vielen weiteren Symptomen.
Erfahren Sie mehr über das Burnout Syndrom auf unserer Seite zu Burnout.
Diese Ressourcen beugen einem Burnout vor
Bestimmte persönliche Ressourcen können das Risiko für einen Burnout deutlich senken. Das bestätigt auch eine Studie von Arbeitspsychologen um Sven Gross (Universität Bern): Positive Momente im Arbeitsalltag lenken die Aufmerksamkeit weg von Frustration und Grübeln und sorgen so für mehr Energie am Feierabend. Zu den wichtigsten Schutzfaktoren zählen:
Hohes Kohärenzgefühl
Selbstvertrauen
Soziales Netz
Soziale Unterstützung
Soziales Kapital
Emotionale Intelligenz
Resilienz
Extraversion
Offenheit
Kontinuierliche Fortbildungen
Selbstwirksamkeitserwartung im Beruf
Die Burnout-Studie im Detail
Für die Untersuchung dokumentierten 76 Mitarbeiter einer Schweizer Behörde über sechs Arbeitstage hinweg positive und belastende Erlebnisse in zwei Tagebüchern: ein grünes für positive Momente, ein rotes für negative. Zu den positiven Einträgen zählten etwa Dankesanrufe zufriedener Kunden, gute Gespräche mit Kollegen oder Vorgesetzten und der erfolgreiche Abschluss eines Projekts. Zu den negativen Einträgen gehörten kurzfristig verschobene Termine, anstrengende Abstimmungen mit Kollegen, Leistungsdruck oder die Einarbeitung neuer Mitarbeiter, die Zeit für die eigenen Aufgaben kostete.
Das Ergebnis: Positive Momente füllen die Energiereserven nicht direkt wieder auf, sie lenken jedoch die Aufmerksamkeit weg von Grübeln, Frustration und Beschwerden hin zu ermutigenden Gedanken. Das ermöglicht einen besseren Umgang mit belastenden Situationen und mehr Energie am Ende des Tages. Die Forscher empfehlen Vorgesetzten, gerade an schwierigen Tagen oder bei Konflikten im Team gezielt Ermutigung auszusprechen.
Der Philosoph Gordon Bissels bringt es auf den Punkt: 'Lob ist wie gutes Bier, beides muss noch frisch serviert werden.'
Burnout-Prävention: Ansatzpunkte und Interventionen
Neben persönlichen Ressourcen gibt es konkrete Ansatzpunkte auf individueller wie organisationaler Ebene, die einem Burnout vorbeugen können:
Training von Kognitionen, Verhalten und Kommunikation
Beratung
Supervision
Soziale Unterstützung
Entspannungsübungen
Physische Übungen zur Steigerung der Fitness
Veränderung von Arbeitsabläufen
Verbesserung der Organisation
Verbesserung des Managements
Senken der Arbeitsbelastung
Eingewöhnungsprogramme und Trainings für neue Mitarbeiter
Reflektion persönlicher Ansprüche und Ziele und Überprüfung einer Realisierung
Lernen, Grenzen deutlich zu machen
Entdecken eigener Stärken
Erlernen vom Umgang mit Fehlschlägen
Wechselnde Arbeitsbereiche
Feste Auszeiten und die Möglichkeit diese auch bei Bedarf zu erhalten
Klare Urlaubsplanungen
Kollegialität und Austausch
Pflegen sozialer Kontakte
Setzen von Prioritäten
Lernen Entscheidungen zu treffen
Positives Denken und Einstellung
Lernen Nein zu sagen erlernen
Lernen zu Delegieren
Workshops und Weiterbildung
Erhöhen der Mitarbeitendenanzahl
Stärken des Gesundheitsbewusstseins
Schaffen ausgeglichener Work-Life-Balance
Diese Burnout-Risikofaktoren erfordern eine Burnout-Prävention
Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es mehrere gefährdende Faktoren, die das Risiko eines Burnout-Syndroms erhöhen. Bei Vorhandensein dieser, ist es besonders wichtig, eine Burnout-Prävention durchzuführen. Hinsichtlich der Faktoren kann zwischen personenbezogenen Faktoren und produktivitätsbezogenen Faktoren unterschieden werden:
Personenbezogene Risikofaktoren
Niedriges Selbstvertrauen, geringe Widerstandsfähigkeit, „Helfersyndrom“, ineffektives Stressmanagement, mangelnde Entspannungsfähigkeit, eine geringe Zufriedenheit mit Beziehungen im privaten und beruflichen Kontext, Beziehungskrisen, Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige, erhöhte Verausgabungsneigung und eine externale Kontrollüberzeugung. Letzteres bezeichnet die Annahme, dass das eigene Schicksal/Ereignisse unabhängig vom eigenen Verhalten bestimmt werden.
Risikofaktoren der Produktivität
Hohe Arbeitsbelastung und -erwartungen, Zeitdruck, wenige Entscheidungsspielräume, Rollenkonflikte, geringes Ausmaß sozialer Unterstützung, kein Feedback, unbefriedigende Arbeitsbedingungen, mangelnde Pausen, schlechtes Führungsverhalten und unzureichende Kommunikation sowie mangelndes Management und Training.
Kulturelle Risikofaktoren
Leistungsgesellschaft, hohe Arbeitslosigkeit und problematische wirtschaftliche Lage.
Wann wird aus Stress ein Burnout?
Ein Vorhandensein von persönlichen Risikofaktoren oder ungünstigen Arbeitsplatzfaktoren rufen noch kein Burnout hervor, sondern führen zu Stress und Überforderung. Findet ein geeigneter Umgang mit den Faktoren statt, so kann es, anstatt zu einem Burnout-Syndrom, zur Erholung und Regeneration des/der Betroffenen kommen. Anderenfalls kann ein Burnout-Syndrom entstehen. Wer bei sich mehrere dieser Anzeichen wiedererkennt, kann mit unserem Burnout-Selbsttest erste Anhaltspunkte gewinnen, er ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnose.
Das Risiko für ein Burnout kann durch Überdauern dreier Komponenten beschrieben werden:
Langanhaltende/r Belastung und Stress
Ineffiziente Stressverarbeitung
Unzureichende, mangelhafte Erholung
Beruflich häufig von einem Burnout-Syndrom betroffen, sind Lehrer, Ärzte sowie Pflegekräfte und Psychologen. Laut Statistiken sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Betroffene sind häufig über 55 Jahre alt und leben allein.
Burnout im Alltag Vorbeugen: konkrete Maßnahmen
Neben Ressourcen und strukturellen Ansatzpunkten helfen im Alltag oft ganz konkrete Gewohnheiten. Die folgenden Tipps erarbeiten wir gemeinsam mit Burnout-Patienten, damit nach der Rückkehr in den Berufsalltag wieder ausreichend Erholungsphasen entstehen.
Sind Sie gut erholt?
Wer abends mit dem Gefühl nach Hause geht, die eigene Arbeit nicht erledigt zu haben, findet oft nicht die nötige Ruhe, um neue Kraft zu tanken. Kommen dazu körperliche Symptome wie Rückenschmerzen, Herzklopfen, Zittern, innere Unruhe oder Konzentrationsprobleme, und leidet zusätzlich der Schlaf, sind das deutliche Zeichen für mangelnde Erholung. Es lohnt sich, sich regelmäßig selbst zu fragen: Wie geht es mir eigentlich?
Feierabend-Rituale schaffen
Wem es schwerfällt abzuschalten, dem hilft oft ein festes Feierabend-Ritual. Das kann das Umziehen nach der Ankunft zu Hause sein, ein Tee in Ruhe oder eine Dusche, aber auch ein kurzer Spaziergang vor dem Abendessen. Dabei lässt sich der Tag noch einmal Revue passieren, bevor man sich bewusst von der Arbeit verabschiedet. Solche Rituale stammen aus der Achtsamkeitspraxis, die unter anderem in der Rhein-Jura Klinik intensiv vermittelt wird.
Den Feierabend bewusst gestalten
Der Feierabend sollte möglichst kontrastreich zum Arbeitsalltag sein. Wer den Tag am Schreibtisch verbringt, profitiert von Bewegung, wer tagsüber wenig menschlichen Kontakt hat, von Unternehmungen mit Freunden oder im Verein, und wer viel um die Ohren hat, von Ruhe und Stille. Bei einem stark strukturierten Alltag kann auch ein kreatives Hobby wie Malen oder ein Instrument einen Ausgleich schaffen, solange man sich dabei nicht zusätzlich unter Druck setzt.
Guter Schlaf als Erholungsquelle gegen Burnout
Schlaf ist eine der wichtigsten natürlichen Erholungsquellen für Körper und Geist. Entscheidend ist dabei nicht die genaue Stundenzahl, sondern das Gefühl, ausgeruht zu sein. Wer unter anhaltenden Schlafstörungen leidet, die sich nicht durch einfache Mittel beheben lassen, sollte sich an die Hausarztpraxis wenden. Dort können Entspannungstechniken oder schlafhygienische Regeln empfohlen werden, die helfen, wieder einen natürlichen Schlafrhythmus zu finden.
Häufige Fragen zur Burnout-Prävention:
In welchem Alter kann ein Burnout entstehen?
Ein Burnout-Syndrom kann unabhängig vom Alter entstehen, auch Kinder und Jugendliche können bereits daran erkranken. Das Risiko steigt dabei mit dem Alter an und erreicht seinen Höhepunkt, laut einer Statistik aus dem Jahr 2019, zwischen dem 60. und 64. Lebensjahr bei Frauen und Männern.
In welchem Alter sollte mit der Prävention von einem Burnout begonnen werden?
Da ein Burnout unabhängig vom Lebensalter auftreten kann, ist diese Frage nur schwer zu beantworten. Wenn Sie selbst hohe Ansprüche an sich selbst haben, unter viel Stress, einem hohen Arbeitspensum, wenig Freizeit, Doppelbelastung und anderen Risikofaktoren leiden, empfiehlt sich eine Prävention eines Burnouts. Doch auch ohne bereits vorhandene Risikofaktoren können Sie Maßnahmen zur Prävention eines Burnouts nutzen, um langfristig in ihre Gesundheit zu investieren.
Wo findet man Möglichkeiten zur Prävention von einem Burnout?
Möglichkeiten und Tipps zur Burnout-Prävention erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse, Ihrem Arbeitgebenden und auch in psychiatrischen und psychologischen Einrichtungen, wie beispielsweise Kliniken oder Praxen. Des Weiteren gibt es spezielle Coachings, Seminare und Kuren. Bei Oberberg bieten wir Ihnen ebenfalls gerne Unterstützung zur Prävention eines Burnouts oder auch der Therapie der bereits entstandenen Erkrankung an.
Quellen
Gabriel, T. (2012). Burnout: Leitfaden zur Betrieblichen Gesundheitsförderung. Gesundheit Österreich GmbH/ Geschäftsbereich Fonds Gesundes Österreich. fgoe.org/sites/fgoe.org/files/2017-10/2016-03-31%202.pdf
Schulte-Markwort, M. (2015). Burnout-Kids: Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert. Pattloch eBook.
Stangl Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik (Hrsg.). (2022). Definition Kontrollüberzeugung. lexikon.stangl.eu/94/kontrollueberzeugung (zuletzt abgerufen: 14.06.2022)
Statista (Hrsg.). (2022). Durchschnittliche Anzahl Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Burn-out* nach Alter und Geschlecht im Jahr 2019. de.statista.com/statistik/daten/studie/239675/umfrage/arbeitsunfaehigkeitstage-aufgrund-von-burn-out-nach-alter-und-geschlecht/
Walter, U. (2016). Prävention von Burnout: Interventionen, Wirksamkeit, Grenzen. Medizinishe Hochschule Hannover. gnmh.de/daten/rundbrief_gnmh_1-16/walter_2016.pdf
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Die Oberberg Kliniken sind deutschlandweit vertreten. Wir therapieren alle Arten psychischer Krankheitsbilder nach den neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis, stets individuell auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten.
Das Oberberg Therapieangebot umfasst eine große Bandbreite an medizinischen und psychotherapeutischen Leistungen für das gesamte Spektrum psychischer und psychosomatischer Erkrankungen.
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Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Psyche
Der Klimawandel wird von vielen Menschen als das größte Problem unserer Zeit angesehen. Während die Problematik der Erderwärmung und ihre Auslöser schon seit Jahrzehnten bekannt sind, rückte das Thema vor allem in den letzten Jahren in den Mittelpunkt der medialen und politischen Aufmerksamkeit. Dem Thema Klimaschutz kann sich niemand mehr entziehen. Im Alltag tritt die Thematik des Klimawandels beim Einkaufen auf, bei Gesprächen mit Mitmenschen, im Job oder im Fernsehen – es ist allgegenwärtig. In der Nachrichtenerstattung tauchen wöchentlich Schreckensbilder von Umweltkatastrophen weltweit auf, die auf die Erderwärmung zurückzuführen sind. Auch in Deutschland sind Menschen direkt von den Konsequenzen der Erderwärmung betroffen – wie beispielsweise durch die Flutkatastrophen oder durch eine jährliche Zunahme an Hitzetagen.
Das Burnout-Syndrom und seine Ursachen – wieso brennen manche Menschen bis zur totalen Erschöpfung aus?
Immer mehr Menschen kämpfen augenscheinlich gegen Burnout . Betroffene fühlen sich chronisch überlastet, schlapp, ausgebrannt. Trotzdem sind die Ursachen des Burnout-Syndroms noch nicht eindeutig identifiziert. Denn es sind mehrere Faktoren, die zu einer Entwicklung beitragen können.
Der Begriff „Stress“ bezeichnet im allgemeinen Auswirkungen von Belastungen auf Lebewesen. Unterschiedliche Belastungen, körperlicher und seelischer Art, können zu charakteristischen Veränderungen körperlicher und/oder seelischer Art führen. Diese können langfristig eine ernste gesundheitliche Bedrohung darstellen. Zweifellos zählt Stress zu den wichtigsten gesundheitlichen Risikofaktoren, im beruflichen als auch privaten Umfeld.