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  • Borderline Persönlichkeitsstörung

    Rund 2 Prozent der Bevölkerung leben mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, geprägt von intensiven Gefühlen, instabilen Beziehungen und dem Gefühl innerer Leere. Hier erfahren Sie, woran Sie die Erkrankung erkennen, wie sie entsteht und welche Therapien helfen.

    Frau steht an einer Brücke und schaut zur Sonne

    Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung

    Woran Sie die Erkrankung erkennen

    Hauptsymptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung
    Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) sind Gefühle, Gedanken und Einstellungen häufig instabil oder inkonstant – Betroffene beschreiben es oft als „Leben wie auf einer Achterbahn". Zu den Hauptsymptomen gehören Unsicherheit und Impulsivität, Gefühlsstürme, Selbstverletzung und Suizidversuche, ausgeprägtes Schwarz-Weiß-Denken, anhaltende Wut und Aggressivität, paranoide oder dissoziative Symptome, Schwierigkeiten beim Aufbau stabiler Beziehungen, Angst vor Nähe gepaart mit Verlassenheitsängsten sowie ein häufiges Gefühl der Leere. Diese innere Leere hängt oft mit Unsicherheit über die eigene Identität zusammen sowie mit der Schwierigkeit, eigene Wünsche und Ziele zu definieren.
    Menschen mit Borderline denken schwarz-weiß
    Menschen mit BPS idealisieren Personen in ihrer Umgebung häufig zunächst, um sie dann bei oft geringfügigen Enttäuschungen stark abzuwerten. Das macht es schwer, stabile Beziehungen einzugehen: Das Verhalten wechselt ständig zwischen extremen Versuchen der Anklammerung und Zurückweisung, geprägt von der gleichzeitigen Angst vor Nähe und vor Einsamkeit.
    Dissoziation, Derealisation und Depersonalisation bei Borderline
    Viele Patienten mit Borderline zeigen Symptome der Dissoziation: Die Wahrnehmung verändert sich dabei ähnlich wie in tiefen Meditations- oder Trancezuständen, mit kurzzeitigen Erinnerungsverlusten oder Bewegungsstörungen. Dissoziation dient der „Abspaltung" von unerträglichen negativen Gefühlen, oft verbunden mit traumatischen Erlebnissen. Bei einer Derealisation wird die Umwelt als fremd und unwirklich wahrgenommen, bei einer Depersonalisation empfinden Betroffene ihr eigenes Ich als fremd.
    Selbstverletzung und Suizidalität bei Borderline
    Selbstverletzendes Verhalten (SVV) bezeichnet die bewusste Schädigung der eigenen Körperoberfläche, meist durch Schneiden oder Ritzen der Haut. Es gilt nicht als eigenständiges Krankheitsbild und steht meist nicht in Verbindung mit suizidalen Absichten, sondern tritt als Symptom der Borderline-Störung oder anderer psychischer Erkrankungen auf. Das dabei oft austretende Blut wird von Betroffenen häufig als Ausdruck von Gefühlen beschrieben, die sonst nur im Stillen ablaufen – ein Hilferuf, der sich damit auch nach außen zeigt. Die hohe innere Anspannung Betroffener kann sich mehrmals täglich aufbauen und nur langsam wieder abklingen. Losgelöst davon entwickeln viele Betroffene auch Suizidgedanken: Über die Hälfte aller Menschen mit Borderline-Störung unternimmt Suizidversuche, die Suizidrate liegt zwischen drei und zehn Prozent. Am höchsten ist das Risiko im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, danach nimmt das impulsiv-suizidale Verhalten in der Regel ab.
    Mann steht am Fenster und blickt nach draußen

    Unsere Kliniken für Borderline in Deutschland

    In diesen Kliniken behandeln wir Borderline Persönlichkeitsstörung auf höchstem Niveau:

    Standorttyp

    Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

    Definition, Häufigkeit und Diagnosekriterien

    Definition von Borderline
    Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten, verbunden mit deutlicher Impulsivität. Das Muster zeigt sich in verschiedenen Lebensbereichen. Sie zählt zu den häufigsten und bekanntesten Persönlichkeitsstörungen überhaupt.
    Häufigkeit des Borderline-Syndroms
    Rund 2 Prozent der Allgemeinbevölkerung leben mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung; bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen finden sich nach Expertenschätzungen bei etwa 5 Prozent Anzeichen einer BPS. Frauen werden in klinischen Stichproben und in der Versorgung deutlich häufiger mit BPS diagnostiziert; bevölkerungsbezogene Studien zeigen dagegen eine wesentlich ausgeglichenere Verteilung zwischen Frauen und Männern.
    Diagnose von Borderline
    Für die Diagnose müssen mindestens fünf der folgenden neun Kriterien erfüllt sein: hektisches Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden; ein Muster instabiler und intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen zwischen Idealisierung und Entwertung; eine ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes; Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen wie Geldausgabe, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren oder Essanfälle; wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder Selbstverletzungsverhalten; affektive Instabilität mit episodischer Verstimmung, Reizbarkeit oder Angst über meist wenige Stunden; chronische Gefühle von Leere; heftige Wut oder Schwierigkeiten, diese zu kontrollieren; sowie durch Belastung ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.
    ICD-10-Klassifikation der Borderline-Persönlichkeitsstörung
    Für die Diagnose psychischer Erkrankungen gibt es zwei international anerkannte Diagnosesysteme: das ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation und das DSM-5 der amerikanischen Psychiatervereinigung. Im ICD-10 wird die Borderline Persönlichkeitsstörung (F60.31) als einer von zwei Subtypen der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (F60.3) geführt. Der impulsive Typus (F60.30) ist vor allem durch mangelnde Impulskontrolle geprägt; beim Borderline-Typus (F60.31) sind zusätzlich das Selbstbild und das Beziehungsverhalten stärker beeinträchtigt – er entspricht in etwa der Definition im DSM-5.
    Wann beginnt eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?
    Die Symptomatik einer BPS bildet sich typischerweise im Jugendalter heraus. Die aktuelle S3-Leitlinie, die höchste Qualitätsstufe ärztlicher Behandlungsleitlinien in Deutschland, basierend auf systematischer Evidenzprüfung und fachübergreifendem Konsens, sieht eine fachgerechte Diagnostik und gegebenenfalls Diagnosestellung bereits ab etwa 12 Jahren vor. Frühe kindliche Auffälligkeiten wie Schwierigkeiten der Emotionsregulation können als mögliche Risikomerkmale auftreten, gelten aber nicht bereits als Erkrankungsbeginn.
    Borderline ist schwer zu erkennen
    Eine BPS ist selbst für erfahrene Fachärzte oft schwer zu erkennen und wird daher häufig erst nach mehrjähriger Behandlung anderer, im Vordergrund stehender Beschwerden korrekt diagnostiziert, vor allem Depressionen, Ängste oder psychosomatische Beschwerden. Es besteht eine erhöhte Komorbiditätsrate mit anderen Persönlichkeitsstörungen, Depressionen, Angststörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Rund 78 Prozent der Betroffenen entwickeln im Laufe ihres Lebens zusätzlich eine substanzbezogene Störung bis hin zu einer Abhängigkeitserkrankung.
    Zwei personen laufen draußen im Park und unterhalten sich während sonne scheint

    Welche Therapien helfen

    Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung

    Medikamente allein können eine Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht heilen; die wichtigste Behandlungskomponente ist die Psychotherapie. In den Oberberg Kliniken setzen wir dabei unter anderem folgende Verfahren ein:

    Was unsere Gäste sagen

    Schon als Kind hatte ich das Gefühl, dass für mich alles nur aus Extremen besteht. Mein Innenleben war ein einziges Chaos und ich glaubte, gar nichts mehr fühlen, empfinden zu können. Ich hasste mich dafür und hatte panische Angst, dass ich mich in meine einzelnen Bestandteile auflösen würde.

    Susanne L., 34 Jahre
    Patientin in der Oberberg Parkklinik Wiesbaden Schlangenbad

    Wie die Oberberg Kliniken Borderline behandeln

    Medikamente allein können eine Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht heilen, die wichtigste Behandlungskomponente ist die Psychotherapie. Als Oberberg-Patient besprechen Sie mit Ihrem Therapeuten-Team ausführlich, welches individuelle Konzept den größten Erfolg verspricht. Bei der Dialektisch-Behavioralen Therapie wird zunächst suizidales und selbstgefährdendes Verhalten behandelt, bevor weitere therapiegefährdende Verhaltensmuster bearbeitet werden; bei Jugendlichen kommt die speziell angepasste DBT-A zum Einsatz, die auch die Familie mit einbezieht. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt der Erfahrungsbericht unserer Patientin Anna, die dank DBT-A seit rund einem Jahr kein selbstverletzendes Verhalten mehr zeigt.

    Die Schematherapie setzt gezielt an den traumabedingten Mustern an, die häufig zur Entstehung einer BPS beitragen. Die Mentalisierungsbasierte Therapie hilft Menschen mit BPS dabei, eigene und fremde Gefühle und Gedanken besser wahrzunehmen, da ihnen dieses „Mentalisieren" oft schwerfällt.

    Stabilisierend und unterstützend können zudem Stimmungsstabilisierer und atypische Antipsychotika eingesetzt werden; bei begleitenden Angststörungen oder Depressionen kommen zudem Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) infrage. Patienten sollten dabei einplanen, dass jede ambulante, teil- oder vollstationäre Behandlung ein gewisses Maß an Geduld und Durchhaltevermögen erfordert.

    Alternative Strategien statt Selbstverletzung

    Viele Betroffene berichten von hilfreichen Methoden, mit ihrer inneren Anspannung umzugehen, etwa Achtsamkeitsübungen, kreativem Ausdruck (Malen, Schreiben, Arbeiten mit Ton), nach draußen gehen und laut schreien oder auf ein Kissen einschlagen. Nicht der Schmerz selbst scheint dabei entscheidend zu sein: Eine Studie mit Borderline-Patienten zeigte, dass starke Reize wie Wärme oder Schmerz überschießende Gefühlsreaktionen im Gehirn beruhigen können, unabhängig davon, ob sie schmerzhaft waren oder nicht.

    Nächster Schritt

    Fühlen Sie sich Ihren Gefühlen oft ausgeliefert?

    Ob Psychotherapie, Medikation oder beides: Gemeinsam mit Ihnen finden wir die Behandlung, die zu Ihnen passt.

    Ursachen der Borderline-Persönlichkeitsstörung

    Wie eine BPS entsteht

    Genetik und Trauma als Ursache von Borderline
    Die Ursachen und Auslöser einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenwirken von genetischer Veranlagung mit frühen traumatischen Erfahrungen. Einer Zwillingsstudie zufolge haben genetische Faktoren einen großen Einfluss auf die Entstehung einer BPS: Vererbbar ist demnach nicht die Erkrankung selbst, sondern die Veranlagung dafür. Das Risiko steigt zudem durch traumatische Erlebnisse in der Kindheit, etwa durch Missbrauch, körperliche oder seelische Gewalt, Vernachlässigung, unberechenbare Bezugspersonen oder frühe Trennungserfahrungen durch Scheidung oder den Tod eines Elternteils.
    Borderline auch ohne Trauma möglich
    Nicht jeder Mensch mit BPS hat erschütternde Erfahrungen in Kindheit oder Jugend gemacht. Die Wissenschaft geht davon aus, dass bei Menschen mit Borderline-Syndrom die Kommunikation bestimmter Hirnzentren gestört ist, die die emotionale Verarbeitung und Impulssteuerung kontrollieren, insbesondere im Frontalhirn. Das erklärt, warum Betroffene Gefühle intensiver erleben und impulsiver darauf reagieren.

    Fragen und Antworten

    Weitere Informationen zur Borderline Persönlichkeitsstörung

    Wie können Angehörige Menschen mit Borderline unterstützen?

    Wichtig für Angehörige ist, nicht gegen den Betroffenen zu arbeiten, sondern mit ihm gemeinsam das Gespräch zu suchen. Oberberg bietet Unterstützung für beide Seiten: Auch Familie und Partner leiden oft unter belastenden Situationen. Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung kann therapiert werden, vor allem wenn Betroffene von ihren Angehörigen unterstützt werden.

    Kann sich das Gehirn bei Borderline durch Therapie verändern?

    Ja: Die Gehirnstruktur von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung kann sich allein durch Psychotherapie verändern, auch ohne den Einsatz von Medikamenten. Das betrifft insbesondere die Kommunikation der Hirnzentren, die für emotionale Verarbeitung und Impulssteuerung zuständig sind und bei Borderline häufig gestört ist. Diese Erkenntnis macht Mut: Auch wenn die Ursachen neurobiologisch bedingt sind, ist die Erkrankung durch konsequente Therapie behandelbar.

    Warum ist es schwer, einen Therapeuten für Borderline zu finden?

    Nur etwa 30 Prozent der niedergelassenen Therapeuten sind bereit, mit Borderline-Patienten zu arbeiten. Das vielfältige Krankheitsbild sowie Themen wie Selbstverletzung und Suizidalität schrecken viele ambulante Praxen ab, obwohl Psychotherapie die wichtigste Behandlungskomponente ist. Eine spezialisierte Klinik mit entsprechender Erfahrung kann hier besonders hilfreich sein und bietet evidenzbasierte Behandlungskonzepte wie Dialektisch-Behaviorale Therapie, Schematherapie oder Mentalisierungsbasierte Therapie an.

    Mitarbeiterin begrüßt einen Mann am Empfang

    Kontaktaufnahme

    Eine Aufnahme in unsere Privatkliniken ist in der Regel zeitnah möglich.

    Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung telefonisch, oder schreiben Sie uns per Kontaktformular.